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Christa Linder
Christa Linder war eine attraktive Schauspielerin an der Seite von Brad Harris in zwei Kommissar-X-Filmen. Sie spielte mit beim Debütfilm der Reihe JAGD AUF UNBEKANNT (1965) sowie dem Türkei-Abenteuer DREI GRÜNE HUNDE (1967).
   
Drei grüne Hunde 1
Christa Linder (rechts) und Olga Schoberová
    
Die aus dem bayrischen Berchtesgaden stammende Linder brachte es im internationalen Film auf eine Reihe Einsätze in den beliebten Genre-Verfilmungen der Zeit. Neben Filmen in Europa zog es sie auch zum mexikanischen Film.
Bilder der Schönheit stehen bei den Filmfans immer noch hoch im Kurs. Neben vielen Titelbildern von Zeitschriften war Christa Linder im August 1972 auch in der US-amerikanischen Ausgabe des Magazins Playboy abgebildet. Mit dem Abebben des europäischen Genre-Kinos wechselte sie Ende der Siebziger Jahre nach Hollywood, wo sie noch in einigen Filmen und Fernsehserien zu sehen ist. Danach verliert sich ihre Spur. Auf den Seiten ihres Freundes Brad Harris äußert sich Christa Linder über Ihre Filmzeit.
 
Frau Linder, Sie spielten im ersten „Kommissar X“-Film, der im ehemaligen Jugoslawien entstand, mit. Welche Erinnerungen haben Sie daran?
Es gab zwei weibliche Hauptdarstellerinnen: Maria Perschy und mich. Ich erinnere mich an eine schöne Drehzeit in und um Dubrovnik. An die Story allerdings kaum noch. Ich weiß noch, dass ich gefangen genommen wurde. Den Film habe ich nie gesehen.
 
Wirklich?
Ja, den Großteil meiner Filme habe ich nie gesehen. Was ich sah, finde ich eigentlich ganz nett.
 
Wie verlief der Kontakt mit Brad Harris?
Es war ein freundliches Zusammenarbeiten beim Dreh. Näher kennen lernte ich Brad erst, als ich später in Los Angeles wohnte. Dort entwickelte sich eine Freundschaft. Keine Liebesaffäre, sondern Freundschaft! Gegen Ende meines Aufenthaltes in Los Angeles habe ich in Malibu am Meer gewohnt, ganz in der Nähe von ihm. Ich war auch in der Fitnessbranche beschäftigt und machte „Physikalische Therapie“, hauptsächlich für Privatkunden.
 
„Kommissar X“ Tony Kendall ist mittlerweile leider verstorben…
Das tut mir leid. - Auf den Bildern vom Kommissar-X-Festival in Gelsenkirchen sieht Tony noch fit aus. Wenn ich jetzt höre, dass er zuletzt unter Rückenproblemen litt – während den Filmen klagte er schon darüber.
  
Drei grüne Hunde 2
Christa Linder und Tony Kendall
   
Es heißt der Regisseur Alfred Weidenmann habe sie an einem Swimmingpool entdeckt und zum Film gebracht…
Tatsächlich war das Jerry Macc, der Produktionsleiter von Alfred Weidenmann. Der sah mich am Swimmingpool des Hotels „Bayerischer Hof“ in München und meinte, ich sei „genau der Typ“, den sie für den nächsten Film brauchen. Zunächst musste ich aber noch, wie Hunderte andere Mädchen, Probeaufnahmen machen. Ich war schließlich selbst erstaunt, als ich die Rolle bekam. Der Film hieß „Die Festung“ (1964) und die Hauptrollen spielten Martin Held und Hildegard Knef.
  
Sie haben aber trotzdem noch die Schauspielschule besucht?
Alfred Weidenmann meinte, ich sollte das nicht machen. Ich hätte die Natürlichkeit, die sie suchten. Sie wollten keine Theaterschauspielerin für die Rolle. Durch die Filme lernte ich, ab und zu nahm ich aber auch Schauspielunterricht.
 
„Der Würger vom Tower“ (1966) war ein Film im Sog der Edgar-Wallace-Krimifilme der Zeit…
Das war kein guter Film. Gedreht wurde der Film in Zürich. Eine Kollegin war Kai Fischer. An viel mehr erinnere ich mich kaum.
 
International produziert wurde „Fünf vor 12 in Caracas“, der aber sicher nicht in Venezuela gedreht wurde?
Nein, es wurde in Barcelona gefilmt. Einer der typischen Actionfilme dieser Zeit. Aber ganz nett. George Ardisson nannte sich der Hauptdarsteller. Ardisson war aber kein US-Amerikaner, wie man bei dem Namen denken sollte, sondern ein aus Turin stammender Italiener mit Künstlernamen. Die Französin Pascale Audret und ich hatten die weiblichen Hauptrollen inne. Ich spielte ein Millionärstöchterchen, das entführt wurde. In einer Szene band man mich unter Wasser fest und es sollte etwas in der Nähe explodieren. Unter Wasser merkte ich rasch, dass die Sauerstoffflasche nicht ganz in Ordnung war. Mir wurde schlecht. Drei Tage ging es mir sehr übel, ich fühlte mich sterbenselend. Tauchen war damals für mich eine neue Erfahrung. Und dann gleich diese Probleme.
 
„Frauen, die durch die Hölle gingen“ (1966) entstand in der bekannten Westernkulissengegend nahe dem spanischen Almeria…
Sidney Pink war der Regisseur, Gustavo Rojo der einzige männliche Schauspieler in der Besetzung. Die Dreharbeiten waren sehr anstrengend. Es war halt sehr heiß in dieser Wüste. Aber wir Frauen sollten entsprechend aussehen. Ich kann mich an eine Szene im Film erinnern, in der mein Vater umgebracht wurde. Da musste ich einem Zusammenbruch spielen und Mordsschreie abgeben.
 
Sidney Pink schreibt in seinen Memoiren, dass nach der täglichen Rückkehr ins Hotel nicht genug Duschen für alle zur Verfügung standen…
Na, doch. Duschen haben wir schon genug gehabt. – Sidney Pink war als Regisseur aber ganz gut.
 
Sie wurden in dieser Zeit für viele internationale Co-Produktionen gebucht.
Genau. Die meisten Rollen bekam ich über meine Agentin Elli Silman.
 
Oftmals waren Sie der attraktive Blickfang der Filme…
Ja, das stimmt. Ich machte einen Film nach dem anderen.
 
„The Rat Patrol“ war eine US-amerikanische Fernsehserie. Wie kam es zu dieser Mitwirkung?
Diese Serie wurde nicht in den USA gedreht, sondern in Almeria. So kam ich als deutsche Schauspielerin in eine Folge.
 
In Italien spielten sie in dem recht bekannt gewordenen Western „Giorni dell’ira“ (Der Tod ritt dienstags, 1967) mit Lee Van Cleef…
Auf den war ich damals sauer. Er strich mir einige Zeilen im Skript. Er wollte sein Happy-End haben, entgegen der ursprünglichen Fassung. Eigentlich verlief die Filmerei mit ihm ganz ordentlich. Aber dann war ich doch enttäuscht. Van Cleef hatte halt das Sagen. Giuliano Gemma war ebenfalls im Film dabei.
 
Wie kam es, dass Sie 1968 für den mexikanischen Film arbeiteten?
Nach Mexiko kam ich durch den Besuch der Filmfestspiele in Acapulco. Ich repräsentierte Deutschland mit dem Film „Die Festung“ (1964). Da erhielt ich Angebote und drehte insgesamt neun Filme in dem Land. Außerdem war ich mit einem sehr bekannten mexikanischen Playboy zusammen. Deshalb lebte ich vier Jahre hauptsächlich in Mexiko-City, kam auch immer wieder nach Acapulco.
 
Wie war die Filmerei in Mexiko?
Schon anders als in Europa. Es wurde langsamer gedreht, was ich aber gut fand. Man hatte Spaß bei der Arbeit und ließ sich Zeit. Es wurde anständig Mittag gegessen. Man wollte auch eine gute Zeit haben. Viele der Filme waren mehr emotional, weil sie ja auch fürs mexikanische Publikum gedreht wurden. Rückblickend war es eine schöne Zeit. Acapulco ist wunderschön. Wenn in Europa nichts los war, bin ich nach Mexiko geflogen und habe dort gefilmt. Der Film in Deutschland war Anfang der siebziger Jahre in einer Krise. Ich drehte dann mehr in Mexiko.
 
Was waren das für Filmstoffe?
Alles mögliche. „Un pirata de doce anos“ (zu Deutsch: „Ein kleiner Pirat von zwölf Jahren“, 1972) war eine Komödie über einen jungen Piraten. Ich spielte ein Mitglied einer königlichen Familie und wir flohen durch den Dschungel. Ich weiß noch, dass wir am Ende des Filmes gerettet wurden. „Mi amoricto de Sueccia“ (zu Deutsch: „Mein kleiner Liebling von Schweden“, 1974) mit Julio Alemán handelte von einer Schwedin in Mexiko, die ich spielte, und er verliebte sich in mich. Dann gab es die üblichen Verwicklungen. Ein ganz lustiger Film. Es gab da schon ein paar nette Sachen. Ich spielte in Komödien, aber auch Abenteuerfilmen. Neben Studioaufnahmen in Mexico-City bin ich für die Außenaufnahmen an viele schöne Plätze in Mexiko gekommen. Das war natürlich toll.
 
Wie waren die Filmstudios in Mexiko?
Also ich würde sagen, die Studios hatten eine ähnlich gute Qualität, wie ich es von meiner Arbeit im europäischen Film kannte. - Nach Mexiko bin ich dann wieder nach Rom gegangen und machte dort Filme.
 
In „The Incredible Terror“ (Alien Terror, 1971) drehten Sie mit Filmlegende Boris Karloff…
Damals war Karloff mehr ein armer, alter Mann, der zwischen den Dreharbeiten immer an die Sauerstoffflasche musste. Wir drehten in der Höhenlage von Mexiko-City. Sie hatten immer Angst, er stirbt zwischen den Aufnahmen. Im selben Jahr starb Karloff tatsächlich (aber in London). Am Set haben wir kaum miteinander gesprochen. Wegen der geschilderten Probleme, aber auch weil Boris Karloff ein sehr privater Mensch war.
 
„Tutti figli di Mammasantissima“ (1973) war einer dieser Filme in Italien…
Viele Filme waren Co-Produktionen mit Deutschland oder Frankreich. Der genannte Film war zwar ein blutiger Mafiafilm, aber mit vielen komischen Momenten. Ornela Muti spielte das brave, liebe Mädchen. Ich war die lustige mit Temperament. In „Elena sí, ma… di Troia“ (Zwei Halunken stürmen Troja, 1973), einer komischen Variante der „Helena“-Geschichte, spielte ich die „Helena“. Und in „La principessa sul pisello“ (1976) war ich Schneewittchen, ein blondes Schneewittchen.
 
Waren Sie nur als Schauspielerin tätig?
Nein, auch als Fotomodell. In Mexiko hatte ich schon als Modell gearbeitet, etwa in einer Kampagne für das Bier „Superior“. Die umfasste Aufnahmen für Werbefilme, Plakate oder Kalender.
 
Als es auch in Italien im Filmgeschäft immer weiter abwärts ging, drehten Sie in den USA…
Ja, verschiedene Sachen. U. a. „Hooper“, ein Actionfilm mit Burt Reynolds, oder „Switch“ mit Robert Wagner. Oder „Trapper John, M.D.“ mit Pernell Roberts. Alles kleinere oder mittlere Rollen.
 
„Moonlight“ (1982)…
Ein Pilotfilm für eine Serie, die aber nicht angenommen wurde. Das war meine letzte Filmproduktion. Danach arbeitete ich als „Pysical Therapist“ in Los Angeles, bis ich zurück nach Deutschland ging, um mich der Pflege meiner Eltern zu widmen.
 
Zum Filmgeschäft zieht es Sie nicht mehr zurück?
Das ist lange her. Man wird älter, die Jahre bleiben nicht stehen.
 
Es gibt Sammler, die immer noch Ihre Fotos sammeln.
Jetzt noch. Wirklich? Irgendwann muss ich mir diese Bilder anschauen. Sicher ein Rückblick in eine schöne Zeit.  
 
Vielen Dank für das Gespräch.
 
Reiner Boller (2009)