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Kurzbiografie

Brad Harris, der Junge aus St. Anthony/Idaho, wächst in Kalifornien auf. Später lernt er die ganze Welt kennen. Kalifornien betrachtet er aber immer als seine Heimat. Hier lebt er auch heute. „Es gibt aber eine Ausnahme, wie ich vielen Leuten immer wieder erzähle. München und Bayern sind mein zweites Zuhause. Einen Teil meiner Karriere lebte ich in München, und wurde ein Teil der ,Kulturfabrik' dieser schönen Jahre in den Siebzigern. Ich lernte ein bißchen Deutsch, man lud mich zu Partys und Veranstaltungen ein. Ich entdeckte meine Liebe für das Oktoberfest. Jedes Jahr komme ich auf die Wiesn. 2009 wird mein 50.Oktoberfest sein. Ich habe in München viele Freunde, liebe das Essen und die ganze Atmosphäre. Die Kultur Kaliforniens ist demgegenüber so unterschiedlich. Ich fühle mich sehr wohl an beiden Plätzen. Zwar lebe ich jetzt in Los Angeles, ich freue mich aber immer wieder jedes Jahr nach München zurückzukommen. Es ist meine zweite Heimat. In den drei, vier Wochen in München treffe ich mich dann immer meine Freunde.“

Geboren am 16. Juli 1933, sind es die sportlichen Talente des Jungen, die früh auffallen. American Football, Leichtathletik und Baseball spielen eine große Rolle im Tagesprogramm des Heranwachsenden. Bodybuilding steckt noch in den Kinderschuhen. Einige wenige betreiben diese neue Trainingsmethode zur besonderen Ausbildung der Körpermuskulatur. Außenstehenden muten diese Kraftübungen seltsam an. Auch Brad Harris hat davon noch nie etwas gehört. Nach einem Sportunfall stärkt er sein Knie mit Gewichtstraining. Im Studio entdeckt Brad seine neue Leidenschaft. Sein Vorbild wird Steve Reeves, der wohl bekannteste US-amerikanische Bodybuilder der Nachkriegs-zeit, den er am Strand von Santa Monica beim Training zuschaut.

Brad hat ein Universitäts-Stipendium in der Tasche, besucht Vorlesungen der verschiedensten Art, macht sogar einen Abschluß in Geopolitik. Die Universität ist auch ein Nachwuchsterrain für die Filmindustrie der Stadt. Einem Agenten fällt der durchtrainierte junge Mann auf. Für ein gut bezahltes „Zubrot“ gibt er einen der Statisten und Stuntman für die Militärserie NAVY LOG. Brads Einstieg ins Filmgeschäft ist geschafft, er nimmt sogar Schauspielunterricht.  

Nach weiteren kleinen Verpflichtungen und dem Abschluss des Studiums ruft das Militär. Das bedeutet vorerst das Ende der filmischen Aktivitäten. Im Frühjahr 1958 kommt Brad Harris nach Westdeutschland. Der Zufall will es, dass er erneut mit dem Medium Film in Kontakt kommt. Just zu der Zeit sucht eine amerikanische Filmgesellschaft für Aufnahmen zu der Fernsehserie CITIZEN SOLDIER amerikanische Soldaten. Harris kommt dadurch auch in die Studios von Geiselgasteig. Und auch zu seinem Premierenbesuch beim Oktoberfest. Der Beginn seines Weges zu einem amerikanischen Bayer. Nach dem Militärdienst geht es aber zunächst einmal zurück nach Kalifornien, wo Brad wieder kleine Rollen in Filmen ergattert. Dann wird Brad Harris Teil einer Produktion, die Filmgeschichte schreibt. In Kirk Douglas SPARTAKUS (1959) ist er einer der Gladiatoren im Trainingscamp. Spätestens bei diesen Filmaufnahmen entdeckt Brad seine wahre Berufung für actionhaltige Szenen.  

Was dann passiert, hört sich wie ein Märchen an. Brad Harris beschließt die olympischen Spiele 1960 in Rom zu besuchen. Obwohl er damit seine Arbeit in der Filmstadt aufs Spiel setzt, kommt er, ohne es zu ahnen, in einer anderen Filmkultur an. Rom ist zu der Zeit der Jet-Set-Spielplatz der Welt. Die italienischen Filmemacher haben gerade ein altes Genre wiederentdeckt, beleben die Mythologie und lassen volkstümliche Helden wie Herkules, Maciste, Samson oder Ursus auferstehen. Der muskulöse Amerikaner fällt natürlich den Italienern sofort ins Auge. Der Bedarf an „starken Männern“ ist riesengroß. Durch Zufall, der eigentlich vorgesehene Hauptdarsteller hat sich verletzt und der Film kann nicht verschoben werden, ist Brad Harris nach kurzen Probeaufnahmen für die Titelrolle in GOLIATH CONTRO I GIGANTI (Die Irrfahrten des Herkules, 1960) besetzt. Er macht seine Sache gut und ist fortan einer der „starken Männer“. Gedreht wird in Serie, bei einer Doppelproduktion spielt Brad sogar morgens Samson, nachmittags dann Herkules.

Der deutsche Produzent Wolf C. Hartwig holt den Amerikaner Brad Harris zum deutschen Film. Für einen Hongkong-Abenteuerfilm wird ein „Mann für die Action“ gesucht. Auf diesem Gebiet haben die deutschen Filmemacher noch Nachholbedarf. Harris avanciert bei HEISSER HAFEN HONGKONG (1962) zum Actionchoreograf und bringt viel von seiner internationalen Erfahrung in die Dreharbeiten ein. Fortan zählt er bei dieser Sorte Film zur Stammbesetzung und schlägt sich mit Kollegen wie Horst Frank, Heinz Drache, Dietmar Schönherr oder Klausjürgen Wussow durch Produktionen mit reißerischen Titeln wie DER SCHWARZE PANTHER VON RATANA, WEISSE FRACHT FÜR HONGKONG, DIE DIAMANTENHÖLLE AM MEKONG. Alle diese Filme entstehen an fotogenen Schauplätzen auf dem asiatischen Kontinent. Selbstverständlich findet Brad Harris auch Platz in der erfolgreichen deutschen Westernfilmwelle. Der US-Amerikaner agiert publikumswirksam als Held in den Friedrich-Gerstäcker-Verfilmungen DIE FLUSSPIRATEN VOM MISSISSIPPI (1963, mit Hansjörg Felmy) und DIE GOLDSUCHER VON ARKANSAS (1964, mit Mario Adorf) sowie DIE SCHWARZEN ADLER VON SANTA FE (1965). Letzterer Film entsteht teilweise in Madrider Filmstudios. Da trifft Brad auch seinen Landsmann Clint Eastwood, den er aus Kalifornien kennt und der für einen Western (FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR) eines gewissen Sergio Leone vor der Kamera steht.

Von besonderer Bedeutung ist die Mitwirkung in dem Krimi DAS GEHEIMNIS DER CHINESISCHEN NELKE (1964), dem ersten deutsch-tschechischen Film nach dem 2. Weltkrieg, der in Prag entsteht. Neben Genregröße Klaus Kinski wirkt die junge tschechische Darstellerin Olga Schoberová mit. Von ihrer Schönheit ist Brad Harris im ersten Moment gefesselt und es entwickelt sich eine Ost/West-Liebelei. Neben weiteren gemeinsamen Filmen heiratet das Paar drei Jahre später in Las Vegas. Auf Tochter Sabrina ist Brad besonders stolz.

Für Brad Harris beginnt ein neues Abenteuerfeld. Nach Sandalenfilm, Hongkong-Action und „Euro“-Western wird er für das Agenten-Genre entdeckt. Mit James Bonds durchschlagendem Erfolg in den Kinos werden eine Reihe anderer Figuren zu Leben erweckt. Im Zuge dieser Welle steht Brad zunächst mit seinem Landsmann Larry Pennell an Originalschauplätzen für SCHARFE SCHÜSSE AUF JAMAIKA (1965) vor der Kamera, bevor er in der Kommissar-X-Reihe zu weiterem Ruhm kommt. Die Verfilmungen von Abenteuern des Groschenhefthelden Kommissar X (gespielt von Tony Kendall) und seines besten Freundes Captain Tom Rowland, Leiter der Mordkommission Manhattan, den Brad Harris verkörpert, aus der Feder des deutschen Autors C.H. Guenter geraten zu einer äußerst populären Kinoserie. Die Stories spielen meist an exotischen, asiatischen Schauplätzen (einmal dreht man zudem jeweils im ehemaligen Jugoslawien und in Kanada) und warten mit spannenden, unterhaltsam inszenierten Geschichten auf. Das gilt besonders für die Streifen unter Ägide des Italieners Gianfranco Parolini. Die Reihe bringt es insgesamt auf sieben Filme in den Jahren 1965 bis 1971.

Nach Sandalenfilm, Western und Agentenproduktionen hat die große Filmzeit in Europa Ende der sechziger Jahre ihren Zenit erreich. Selbst dillitantische Plagiate von erfolgreichen Filmen locken ausreichend Publikum an und machen damit selbst zweit- oder drittklassige Filme lohend für die Geldgeber. Brad Harris begibt sich auf diesen Pfad der Selbstständigkeit und sein Name taucht in einigen heute belächelten Filmen wie EVA-LA VENERE SELVAGGIA (Nackt unter Affen, 1968),ZAMBO, IL DOMINATORE DELLA FORESTA (Sie nannten ihn Zambo, 1972) oder LADY DRACULA (1978) auf. Von Reiz ist die bizarre schwarze Komödie DER WÜRGER KOMMT AUF LEISEN SOHLEN (1971). In bislang erfolgreiche Filmstoffe verliert sich mittlerweile kaum noch Publikum, auch dem Film IL RITORNO DEL GLADIATORE PIÚ FORTE DEL MONDO (Die Rückkehr der stärksten Gladiatoren der Welt, 1971) geht es nicht besser. Zu allem Überfluß scheitert Brads Ehe mit Olga. Ihn zieht es deshalb von Rom wieder nach München, wo er einige Jahre lebt. Es wird für Brad eine der schönsten Zeiten seines Lebens.

In den Münchner Fitness-Studios trainiert auch ein junger Mann aus Österreich, der es sich in den Kopf gesetzt hat, die Welt zu erobern. Arnold Schwarzenegger ist sein Name und ein vielversprechender Bodybuilder. Brad erkennt das Potential Schwarzeneggers und hilft dem talentierten Mann auf seinem Weg.
Die siebziger Jahre bringen indes kaum gute Filme für Brad Harris. Eine der seltenen Ausnahmen ist die Horrorproduktion THE MUTATIONS/ FREAKMAKER (1973) seines alten Freundes Robert D. Weinbach, die Brad an der Seite von renommierten Akteuren wie Donald Pleasence und Michael Dunn zeigt. Die fantastische Story kommt bei den Freunden des Genres gut an und zählt heutzutage zu einer kleinen B-Filmperle. Zu Brads Bedauern lässt sich eine geplante Realverfilmung von der Comicfigur Popeye nicht realisieren. Die Hauptrolle in dem amerikanischen Abenteuerfilm DOC SAVAGE, einem weiteren Comichelden, bekommt er gleichfalls nicht. Ohne ihn gerät der Film zu einem Flop. Werbeaufnahmen und deutsches Fernsehen, in einer Episode von DERRICK, trösten dabei kaum.
  
Ausbleibende Rollenangebote veranlassen Brad schließlich doch in die U.S.A. zurückzukehren. Die Möglichkeiten im Filmgeschäft sind in Hollywood einfach besser. Brad wird seiner zweiten Heimat allerdings nicht den Rücken kehren, sondern jedes Jahr mindestens einmal (zum Oktoberfest) nach München zurückkehren.
Im Fernsehen taucht Harris in einigen Serien auf, erwähnenswert davon sind THE INCREDIBLE HULK (Hulk/Der unglaubliche Hulk) und jeweils ein regulärer Serienpart über mehrere Episoden in den Kultserien DALLAS und FALCON CREST. Ein neuerliches Comeback des Monumentalfilmes mit THE SEVEN MAGNIFICENT GLADIATORS (Die sieben glorreichen Gladiatoren) und HERKULES (beide 1983) scheitert aufgrund des zu geringen Produktionsaufwandes. Das deutsche Publikum sieht Brad Harris in dem wieder an exotischen Plätzen in Sri Lanka gefilmten Pseudoabenteuer DER STEIN DES TODES (1986).
Damit hat Brad Harris vorerst seinen letzten Auftritt vor der Kamera. Für eine Zeit hört man wenig von ihm in den Medien. Nichtsdestotrotz kommt Brad jedes Jahr nach München, pflegt Freundschaften - und führt sein eigenes Geschäft. Modern Body Design heißt das kalifornische Fitness-Unternehmen, das Brad Harris leitet und das Fitnessprodukte unterschiedlichster Art vertreibt.  
  
Im Zuge des Erfolges von GLADIATOR (2000) erlebt das Genre der Sandalenfilme beim Publikum eine Renaissance. In der Dokumentation KINO KOLOSSAL - HERKULES, MACISTE & CO. (2001) ist Brad einer der interviewten Zeitzeugen. 2005 lädt ihn Showstar Thomas Gottschalk in seine Sendung GOTTSCHALK & FRIENDS ein, und auch er bekennt seine große Verehrung für Brad Harris. Im gleichen Jahr präsentiert Brad seine Biografie „Ein amerikanischer Bayer“ auf der Frankfurter Buchmesse. Seinen 50. Besuch des Münchner Oktoberfestes im September 2009 feiert Brad Harris mit Freunden auf einer Wiesn-Party. Drei Tage darauf ist er, zusammen mit Tony Kendall und Gianfranco Parolini, vielumjubelter Gast des Gelsenkirchner Filmclubs Buio Omega beim Kinofest "X-Männer".
   
Das Jahr 2010 wird das Kino-Comeback von Brad Harris bringen. In der neuen Horror-Produktion SHIVER von Robert D. Weinbach, basierend auf dem Erfolgsroman von Brian Harper, spielt Brad in Anlehnung an seine früheren Erfolgsfilme den Part des Captain Rowland.